Endlich mal eine Rechenaufgabe die Spaß macht:
Weihnachten + Ferien = Spielezeit
An dieser Stelle will ich gar nicht auf die eigentliche Bedeutung von Weihnachten eingehen, denn es soll in diesem Beitrag nicht um Glaube oder Tradition gehen. Es geht eher darum, die besondere Gelegenheit, die sich aus dem Fest, der Tradition und der Jahreszeit ergibt, für schöne gemeinsame Erlebnisse beim Spielen, also für eine Spielezeit zu nutzen.
Da dies jedoch immernoch ein Beitrag eines Lerncoaches ist, hat es aber natürlich trotzdem etwas mit Lernen zu tun. Wenn ich sage, dass ich ein Spiel mitgebracht habe, vermuten meine Schüler im Lerncoaching oder in der lernBar sofort, es handle sich um ein Pseudo-Spiel – also Lernstoff, der so tut als wäre er ein Spiel! Natürlich zeige ich den Schülern auch spielerische Möglichkeiten Lerninhalte zu verinnerlichen, aber oftmals spiele ich ganz „normale“ Spiele mit ihnen. Und warum? Weil:

… und somit des Lernens!
Welche Fähigkeiten braucht ein Kind / ein Erwachsener um zu spielen? Welche Fähigkeiten kann man durch ein Spiel lernen? Und was genau ist eigentlich ein Spiel? Dies sind alles sehr interessante Fragen, aber ich möchte hier gar nicht allzu wissenschaftlich an das Thema heran gehen. Dazu gibt es bereits tolle Bücher und Beiträge von studierten Wissenschaftlern, wie zum Beispiel Gerald Hüther und noch vielen anderen.
Um was soll es denn dann gehen?
Mir geht es hier eher darum, aufzuzeigen welches Potenzial ich in Spielen und in einer Spielezeit in Gemeinschaft sehe. In der Überschrift habe ich Weihnachten + Ferien = Spielezeit geschrieben und meine damit, dass Weihnachten u.a. die Gelegenheit bietet, Spiele zu verschenken. Ferien in der dunklen Jahreszeit bedeutet: Kinder im Haus! Eine schöne Gelegenheit wieder einmal diverse Spiele – Kniffel, Uno, Ligretto, Mensch ärgere dich nicht, … – aus dem Schrank zu holen. Außerdem ist es bei diesem Fest Tradition, dass die Familie, also viele Menschen unterschiedlichen Alters, zusammenkommt und da kann zum Beispiel durch ein Spiel eine lockere Atmosphäre entstehen. Jeder der möchte kann mitmachen, oder einfach zusehen. Beim gemeinsamen Spielen lernt man sich noch einmal ganz anders kennen, oder man lernt andere Seiten an Menschen kennen, die man so möglicherweise nicht erwartet hat.
Und was hat dies nun mit Lernen zu tun?
Lernen, so wie ich es verstehe, bedeutet seine Fähigkeiten, sein Verhalten und sein Wissen zu erweitern und zu trainieren. All dies passiert beim Spielen ganz nebenbei. Wir werden herausgefordert, müssen uns einen Überblick verschaffen, die Regeln verstehen, möglicherweise eine Strategie finden um zum Ziel zu gelangen, das Ziel im Blick behalten, im Team oder gegen einen Gegener agieren, wir erleben Erfolge und Frustration. Das allerbeste daran ist aber, wenn wir in Gemeinschaft mit anderen spielen, können wir uns einiges abgucken: Welche Strategie ist beim Anderen erfolgreich, oder eben nicht? Wie gehen andere mit Misserfolg, mit Pech, mit Glück usw. um?
Möglicherweise ist jetzt schon deutlich geworden, wie viel all dies auch mit dem beauftragten Lernen (also Lernen was man soll und nicht was man will) zu tun hat. Wenn wir etwas aus eigenem Antrieb heraus lernen wollen, haben wir ja kein Motivationsproblem, normalerweise auch kein Konzentrationsproblem – wir haben den Überblick, kennen den Weg und sind zielstrebig. Es kann natürlich sein, dass es noch bessere Strategien und Lernwege gäbe, aber wir sind auf dem Weg zum Ziel. Beim beauftragten Lernen kann es uns passieren (und das kommt bei Schülern häufiger vor), dass wir den Lerninhalt eigentlich gar nicht lernen wollen, es aber trotzdem müssen.
Und an dieser Stelle möchte ich ganz bewusst einiges aufzählen, was wir beim Spielen in Gemeinschaft lernen können:
- Sich einen Überblick verschaffen,
- Regeln verstehen,
- Strategien finden,
- das Ziel im Blick haben,
- mit anderen zusammen arbeiten,
- mit Frustration umgehen,
- bei anderen Abgucken, was man besser machen kann
- das eigene Vorgehen reflektieren und anpassen.
Im Lerncoaching setze ich ganz bewusst immer wieder Spiele ein. Manche natürlich auch, um etwas ganz bestimmtes zu lernen oder zu trainieren, aber eben auch um die Situation aufzulockern und den Schüler in einen anderen Zustand zu bringen. Oft überlege ich dann mit den Schülern gemeinsam, was sie gerade erlebt haben, um ihnen ihr Vorgehen, ihr Verhalten oder ihre Fähigkeiten bewusst zu machen. So lernen die Schüler sich selbst besser kennen und erhalten neue Möglichkeiten, neue Wege die sie gehen können. Der Transfer zum schulischen Lernen fällt den Schülern in der Regel leicht.
Wichtig für Eltern:
Wenn Sie mit ihren Kindern daheim Spiele spielen, sollte es meiner Meinung nach einfach ums miteinander Spielen gehen und nicht darum, was ihr Kind/ ihre Kinder dabei, oder dadurch lernt/lernen. Hier geht es nicht um den Transfer! Nutzen Sie die Ferienzeit zum Entspannen, Erholen und Spielen. Genießen sie das Spiel, den Spaß und das gemeinschaftliche Erleben mit ihren Kindern. Vertrauen Sie darauf, dass dies der Entwicklung ihres Kindes viel mehr bringt, als wenn Sie versuchen Lerninhalte in den Kopf der Kinder zu bringen. Das ist dann wieder ein anderes Thema und hat seine eigene Zeit. Spielezeit soll einfach nur Spaß machen!
Nun wünsche ich allen Eltern, Schülern und Lehrern, die ja auch oft Eltern sind, dass Weihnachten + Ferien = Spielezeit wird und viel Spaß dabei!
Gesegnete, fröhliche Weihnachten und einen guten Start ins neue Jahr,
Kerstin Link
